Rettungsgrabung an einem bronzezeitlichen Grabhügel bei Visbek 2012


Nördlich von Visbek sollte 2012 eine Sandgrube erweitert werden. Im betreffenden Bereich existierte eine abgeholzte Weihnachtsbaumschonung ohne weitere Besonderheiten. Einem Mitarbeiter des Niedersächsichen Landesamtes für Denkmalpflege war jedoch aufgefallen, dass in alten preussischen Karten an dieser Stelle zwei bronzezeitliche Grabhügel verzeichnet waren. Bei einer Prospektion wurden die Reste eines dieser Grabhügel gefunden, der vor Jahrzehnten bereits eingeebnet worden sein muss.
Da die letzte Grabung an einem bronzezeitlichen Hügelgrab im Oldenburgischen bereits in den siebziger Jahren erfolgt war, ergab sich hier die Gelegenheit für eine Rettungsgrabung, auch wenn das NLD zu der Zeit unter chronischem Mitarbeitermangel litt. Ehrenamtliche Hilfe war bei dieser Grabung, die von April bis Juni 2012 dauerte, dringend nötig.

Als ich dazu kam, hatten die Profis den Fundplatz bereits mittels eines Baggers oberflächlich von den Resten der Schonung befreit, und das Ausmaß des riesigen Hügels (Durchmesser ca. 16 m) war zu erahnen. Mehrere längliche, dunkle Verfärbungen im Innern der Hügelfläche sahen vielversprechend aus. Da regnerisches Wetter war, war die Grabungsfläche stets mehr oder weniger mit Planen abgedeckt.
Es galt nun, das Ganze zu vermessen, mit dem Metalldetektor abzusuchen, ein Planum anzulegen, und die Befunde sauber darzustellen (Fotos unten) . Mit nur vier Personen war das ein schönes Stück Arbeit, das zudem noch ab und zu durch einen kraftigen Regenschauer unterbrochen wurde.



Dann folgte die Feinarbeit - das Anlegen der Schnitte durch die Befunde und das Bergen von Fundstücken. Und schließlich die genaue Einmessung der Grabungsstellen mit dem Tachymeter und die Dokumentation des Ganzen. Leider waren die Befunde in den letzten Jahrzenhnten/Jahrhunderten stark durch Baumwurzeln und andere Eingriffe von außen gestört worden.


Wegen einer seit langem geplanten Urlaubsreise konnte ich leider nicht bis zum Ende der Grabung dabei sein. Auf detaillierte Ergebnisse muss deshalb bis zur entsprechenden Veröffentlichung durch das NLD gewartet werden. Es wurden neun Körperbestattungen im Hügel nachgewiesen, z.T. in inzwischen vergangenen Baumsärgen, von denen nur noch die Schatten (Bodenverfärbungen) zu erkennen waren. 2 weitere längliche Gruben waren nicht eindeutig zu identifizieren. Urnenbestattungen wurden nicht gefunden. Es wurden keinerlei Grabbeilagen identifiziert. Die Fachleute gehen davon aus, dass der Grabhügel in der mittleren Bronzezeit errichtet wurde.
Auf jeden Fall war es wieder eine spannende Grabung, wie man sie anscheinend nur alle 40 Jahre erleben kann.

Das Bild unten zeigt die Grabungsstelle nach Abschluss der Grabung und macht deutlich, welche Erdmassen hier bewegt worden sind.

  
 
(Fotos: B. Rothmann)


zuletzt geändert am 27.3.13