Grabung der Arbeitsgemeinschaft für Archäologische Denkmalpflege
auf der ehemaligen Burg Specken bei Bad Zwischenahn


Vom 21. - 31. Mai 2013 führte die Arbeitsgemeinschaft für Archäologische Denkmalpflege (AGADOL in Oldenburg) eine Grabung an der Lokation der ehemaligen Burg Specken bei Bad Zwischenahn durch.
In diesen knapp zwei Wochen sollten wir verschiedene Fragen klären:
1. Wie sahen die Befestigungsanlagen aus? Wie breit und tief waren die Burggräben und tragen sie hölzerne Uferbefestigungen? Wie wurden die Gräben verfüllt? Gibt es darin Funde aus den Jahrhunderten seit dem Bau der Burg ?
2. Lassen sich auf dem eigentlichen Burgplatz Grundrisse von Gebäuden feststellen und welcher Art sind die?
3. Da über die Burggräben Brücken geführt haben müssen, wollen wir versuchen, diese Stelle zu finden, um etwas über die Brückenkonstruktionen zu erfahren und evtl. Holz für eine genaue Datierung zu erhalten.
4. Was kann uns das zu erwartende Fundmaterial zur Datierung der Burg sagen?

Margarete Rosenbohm-Plate hat den folgenden Bericht zur Grabung geschrieben:

In der Nähe des Museumskruges Specken erstreckt sich eine wunderschöne Wiesenlandschaft, vom Heimatverein als Landschaftspark gestaltet. In einer ehemaligen Schleife der Bäke soll sich die Burg Specken befunden haben, für die Mitglieder des Heimatvereins eine durch geomagnetische Messungen der Fachhochschule Oldenburg 1) bestätigte Tatsache. Sie unterstützten die Grabung kulinarisch und stellten für die Ausgräber zwei Zelte auf. Der Leiter des Heimatvereins, Henning Dierks, nahm sich extra Urlaub, um mitzugraben.
Zwei Wochen lang wollte die AG Archäologie dort durch eine Grabung klären, wie der Verlauf der zwei Wassergräben war, und ob Spuren der angenommenen hölzernen Befestigung durch Palisaden zu finden sind. Die Verfüllung der Gräben, eventuelle Grundrisse von Gebäuden und eine vermutete Brückenanlage sollten untersucht werden. Was würden die Keramikfunde zur Datierung beisteuern?
Ein geduldiger Baggerführer stand mit seinem Bagger vier Tage zur Verfügung. Mehrere baggerschaufelbreite Schnitte durch die Wiese zeigten Profile von zwei Wassergräben, die allerdings ihrer Größe nach nicht den Erwartungen einer Burganlage entsprachen.

Da trafen zwei archäologische Meinungen aufeinander, Dr. Zoller : Dr. Eckert.
Nach Zoller (Ausgrabung 1952) sollte es sich um einen quadratisch angelegten Adelssitz (30 x 30 m) mit abgerundeten Ecken, zwei Gräben mit Bermen und Faschinen und einer Brücke handeln. Auf dem Burgplatz sollten ein Hauptgebäude aus Ziegeln und ein Nebengebäude in Ständerbauweise, beide mit Dachziegeln aus Mönch- und Nonnenziegeln gestanden haben.
Eckert stützte sich auf die geomagnetischen Untersuchungen der Fachhochschule Oldenburg und ging anfangs von einem runden Burgplatz aus - mit Innen- und Außengraben, die ihrer Größe nach nicht auf die Befestigungsanlage eines herrschaftlichen Sitzes hinwiesen. Die Gräben waren nur 1,40 m tief , der innere Graben ca. 5 m, der äußere im Gegensatz zu Zollers Annahme (6,40m) nur 1 m breit. Bisher wurden keine Spuren von Häusern gefunden, obwohl mehrere Pfostenreste das vielleicht annehmen ließen. Aber die Pfosten wären zu schwach für eine schwere Dachkonstruktion gewesen.

Funde wurden vor allem in dem Bereich gemacht, in dem der Heimatverein im April 2012 schon "heimlich mal nachgeschaut" hatte, ziemlich nah am Rande des inneren Grabens, an der Ecke des "Burg"platzes.
Neben einer Menge von Backstein- und Ziegelschutt fanden sich Bruchstücke von schwarzer und grau-blauer Keramik, dazu Siegburger Steinzeug. Auffällig waren die vielen Mönch- und Nonnedachziegel. In diesem Bereich deuteten Verfärbungen auf zwei Pfostenlöcher, was sich jedoch nicht bestätigte. In der Erweiterung des Schnittes im Südbereich wurden im Graben viele Mönch- und Nonnepfannen, eine gelochte Dachlatte und mehrere breite Holzbretter gefunden.

In einem Schnitt in den Burgbereich hinein wurde ein gerade laufender Teil des mit Ziegelschutt und Holz verfüllten Grabens freigelegt und auf dem gewachsenen Boden ca. 15 relativ regelmäßig in den Boden gesetzte Holzpflöcke. Bei jedem Holzfund wurde spekuliert, die Reste der Brücke gefunden zu haben. Dr. Eckert meinte, dass es sich nicht um Fundamente eine Hauses handeln könne, weil auch sie zu schwach waren, das enorme Gewicht der schweren Ziegel zu tragen. Die Hölzer im Graben deuteten auf eine Verfüllung hin, als das Gelände eingeebnet und die Gräben zugeschüttet wurden.
Reste einer Faschine oder Palisade wurde in einem Grabenschnitt auf der gegenüberliegenden Seite der Bäke gefunden.

Interessante Funde waren neben der Keramik:

Die Funde reichen vom 13. bis in das 16. Jahrhundert.













   

Text und Fotos: M. Rosenbohm-Plate


Die Grabung war ein Gemeinschaftsprojekt des Bürgervereins Specken, der Oldenburgischen Landschaft und der AGADOL. Das AG-Mitglied und Burgenforscher Dirk Zoller hat das Projekt angeschoben. Dank gilt dem Ortsverein Specken, der die AG in vielerlei Hinsicht in der Vorbereitung und der Organisation unterstützt hat. So wurde ein großes Zelt mit Tischen und Bänken und eine Mobiltoilette zur Verfügung gestellt. Und die Mitglieder des Heimatvereins haben auch bei der Grabung kräftig mitgearbeitet.

Ich selbst konnte leider aus Termingründen nicht an dieser Grabung teilnehmen.

Bereits im November 2012 hatten Studenten der Jade Fachhochschule in Oldenburg (Prof. T. Priesemann) dort Georadarmessung durchgeführt, die als Basis für die Grabung dienten. --> NWZ-Artikel zu den Georadarmessungen

--> NWZ-Artikel vom 1.6.2013      --> NWZ-Fotostrecke     --> Einladung zur Grabung
GoogleMaps-Karte mit Burg Specken

 


Copyright: B. Rothmann, zuletzt geändert am 19.6.13