Grabung auf dem Sommerbrink - Ehrenamtliche haben mitgeholfen!


Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) hat vom 6. bis 30. April 2010 im vierten Jahr die mittelalterliche Siedlung (800 - ca. 1150 n. Chr.) auf dem Sommerbrink bei Stüvenmühle/Visbek ausgegraben. Die Fundstelle war akut durch Sandabbau bedroht, und es wurden dringend ehrenamtliche Helfer gesucht.
7 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für archäologische Denkmalpflege in Oldenburg waren spontan bereit, auf der Grabung zu helfen und hatten viel Spaß dabei. Unter der Anleitung von Grabungsleiter Michael Wesemann und Grabungstechniker Jürgen Schneider wurden zuerst zwei Grubenhäuser bearbeitet, die sehr nah an der Abbaukante lagen. Hauptanliegen war aber die Untersuchung eines Feldsteinkellers, der in der Grabungskampagne 2009 erst ganz zum Schluss gefunden wurde.

Ältere Info zur Grabung von 2007bis 2009
Seit November 2005 wurden auf dem Sandabbaugebiet Sommerbrink oberhalb der Stüvenmühle und der Engelmannsbäke nach und nach die Reste einer mittelalterlichen Siedlung freigelegt, die auf das 9. bis 12. Jahrhundert datiert wurden. Auf dem mehr als 1 Hektar großen Areal konnten 59 Gebäudegrundrisse zum Vorschein, wobei das größte der 8 Langhäuser 32 m lang war. Dabei dürfte es sich um mindestens zwei Höfe gehandelt haben, die sich in Verlauf von 250 Jahren immer weiter entwickelten.
Interessant ist, dass es zu dieser Siedlung keinerlei Hinweise in alten Dokumenten und Karten gibt; sie ist, nachdem sie aufgegeben worden war, offenbar völlig in Vergessenheit geraten.
Das Sandabbaugebiet oberhalb der Stüvenmühle ist die flächenmäßig größte Ausgrabung mit mittelalterlichen Funden im Oldenburgischen, und der Fund hat eine große Bedeutung für die Region.

2008 fanden keine Grabungen statt, und zuletzt waren 2009 weitere Grubenhäuser, Hausgrundrisse, Findlinge und vor allem ein außergewöhnlicher Felssteinkeller gefunden worden, die 2009 nicht mehr vollständig untersucht werden konnten. Aus diesem Grund wurde für April 2010 eine neue Grabungskampagne angesetzt.
Foto oben: Grubenhaus mit steinerner Feuerstelle von 2009, das 2010 weiter untersucht werden musste.
Literatur dazu: J. Eckert, neu entdeckt – eine mittelalterliche Siedlung bei Visbek, Archäologie in Niedersachsen 10, 2007, 111-113

Die Grabung vom 6. - 30.4.2010
Die Restbefunde von 2009, d.h. die Grundrisse der Grubenhäuser, alte Plana und vor allem der Steinkeller hatten über den Winter hinweg stark gelitten. Gruben waren eingefallen, Plana aufgeraut und verwaschen, und der Keller musste auf jeden Fall noch ausgegraben werden...


Zustand des Kellers wenige Tage vor dem Beginn der neuen Grabungskampagne

Bilder aus der Zeit vom 7.-27.4.2010


Zu Beginn war alles öde und leer. Der letzte Winter hatte alle alten Schnitte und Plani vom Vorjahr zerstört. Also kam zuerst das Großreinemachen.


Auch der mittelalterliche Steinkeller musste neu freigelegt werden, Eimer für Eimer...


Zeichnen mit dem Pantographen (oben) und Sondierung der Schichttiefe (rechts)


noch ein Grubenhaus?


Schnitt durch zwei Pfostenlöcher


der Felssteinkeller in zwei Perspektiven....


 


Eine der Ehrenamtlichen gräbt sich als "Kellerkind" in die Tiefe... (oben)

...und aus einer anderen Perspektive beim Freilegen des Eingangs (rechts)



Der Keller war mit Brandschutt verfüllt
(verziegelter Lehm, Holzkohle etc.)


endlich mal ein Foto vom Fotografen....


eigentlich müsste die Sohle erreicht sein.
Mal sehen, ob noch was darunter liegt...  (oben)
              Ein bisher nicht genau gedeuteter Metallfund (rechts)


Scherben aus dem Steinkeller


Bruchstück eines großen Mühlsteines, der aus der Eifel stammt

.
wir brauchen noch ein weiteres Planum...


ein Bronzefund, der vor Ort nicht identifziert werden konnte..


und die Schnitte werden immer tiefer...

 


Nur gut, dass wir häufig mit Kuchen versorgt wurden. Hobby- und Profiarchäologen waren begeistert.
Das Bild zeigt außerdem, dass es trotz Sonnenscheins
anfangs noch recht kalt war.


Im Juli 2010 war die Grabungsfläche ein einziges Blütenmeer aus Kamillen und anderen Wildkräutern, und ab 2011 war die Fläche dem Sandabbau zum Opfer gefallen. Ein Besuch lohnt sich deshalb heute überhaupt nicht mehr...

Fotos und Text: Bernd Rothmann

Artikel in der Oldenburgischen Volkszeitung, Vechta, vom 21.5.10

Wer interesse hat, der Arbeitsgemeinschaft Archäologische Denkmalpflege beizutreten, kann mich gerne ansprechen. Weitere Informationen zur AG auf www.archaeologieag-oldenburg.de


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am  20.10.11