Reinigungsaktionen an Großsteingräbern 2012

Reckumer Steine wieder sichtbar

Die Reckumer Steine zählen zu den wirklich sehenswerten Großsteingräbern in der Wildeshauser Geest. Das leicht zugängliche, am Waldrand liegende Megalithgrab Reckumer Steine II ist 19 m lang und nahezu unversehrt. Acht der zwölf Decksteine sind noch unbeschädigt und beeindruckend in ihrer Größe. Leider war die Anlage in den letzten Jahren im Sommer kaum zu sehen, denn insbesondere zum Acker hin war sie völlig von Hollunder, Faulkirschen und Himbeeren zugewachsen (Foto links unten).
Mitte April 2012 habe ich diese Büsche in Absprache mit den zuständigen Behörden kräftig zurückgeschnitten, so dass das Großsteingrab im Sommer wieder in alter Pracht zu sehen sein dürfte (Foto rechts unten).


Foto links: Der Haufen mit den abgeschnittenen Zweigen, der entsorgt werden musste, war gewaltig.

Gegenüber im Feld liegt noch ein zweites Megalithgrab (Foto unten links), das in der Vegetationsperiode nicht besucht werden kann. Dieses Grab ist vollständig von jungen Bäumen bewachsen (Foto unten rechts), deren Wurzelwerk unwiederbringlichen Schaden an dem archäologischen Denkmal hervorruft. Hier plane ich gemeinsam mit dem Förderverein Urgeschichtliches Zentrum im Herbst 2015 eine große Aufräumaktion, die dann vom Niedersächsichen Denkmalamt begleitet werden muss.

In 2012 gab es noch folgende weitere kleinere Aktionen:

10.02.12  Freiräumen des Zuweges von Windbruch bei den Mühlensteinen bei Varnhorn
04.07.12  Zurückschneiden des Wildwuchses an den Hohen Steinen von Wildeshausen
05.07.12  Zurückschneiden des Wildwuchses an den Großen Steinen von Kleinenkneten (Foto rechts)
06.07.12 Säubern des Großsteingrabes am Bakler Berg in Ahlhorn
17.09.12 Großsteingrab Bakenhus wurde von wild wuchernden Himbeeren befreit (Fotos links)
20.09.12 Großsteingrab Thölstedt. Dieses Grab war in den letzten Jahren ziemlich vernachlässigt worden (siehe Fotos ganz unten).

Bei diesen kleineren Aktionen, bei denen nur einzelne oder wenige Personen viel bewirken können, kommt es darauf an, durch frühzeitiges Zurückschneiden von versähten Bäumen und Sträuchern schnell dafür zu sorgen, dass diese erst gar kein ausgeprägtes Wurzelwerk ausbilden können. Bei konstantem, derartigem Rückschnitt - mindestens einmal im Jahr - bleiben die Grabanlagen ohne großen Aufwand ansehlich und übersichtlich. Ohne diese Aktionen würden sie in ein paar Jahren von Brombeeren, Himbeeren, Holunder, Geißblatt, Faulbäumen und auch Eichen überwuchert sein.

An dieser Stelle muss auch einmal das Forstamt Ahlhorn lobend erwähnt werden. Dessen Mitarbeiter sorgen durch regelmäßige Aktionen dafür, dass auch im Umfeld der Großsteingräber, die in der Obhut des Forstamtes sind*, Gebüsch und Bäume zurückgeschnitten werden, damit die Grabanlagen gut einzusehen und verkehrssicher sind. Die letzten derartige Aktionen des Forstamtes waren im Juni/Juli 2012 bei den Großsteingräbern Bakler Berg, Mühlensteine und Glaner Braut.
An der Visbeker Braut wird jedes Jahr traditionell von den Steinloger Bürgern großflächig das Gras gemäht, zuletzt wieder im Juli 2012. Das war wohl so vor vielen Jahren mit dem damaligen Förster abgesprochen worden. D
ie ganze Anlage ist jetzt wieder wunderbar zu übersehen.
Herzlichen Dank im Namen aller Megalith-Fans.

Am 24.8.12 wurde ich zu einer Reinigungsaktion der besonderen Art gerufen. Die Lokalzeitung hatte einen Hinweis bekommen und bat mich zu einem Lokaltermin an den Großen Steinen von Kleinenkneten. Dort habe es Hakenkreuzschmierereien gegeben. Wir suchten die Steine ab und fanden schließlich ein Hakenkreuz im Inneren der Grabkammer des restaurierten Hünenbettes.
Das Hakenkreuz war offensichtlich schnell und lieblos mit einem anderen Stein an den Findling in der Kammer gekratzt worden, wobei der Kreuz seitenverkehrt und leicht verzerrt wiedergegeben war. Ich habe die Aktion deshalb als "Dummer-Jungen-Streich" eingestuft  und das Hakenkreuz so gut es geht entfernt.
Und ich habe auch darauf verzichtet, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Ich denke, man sollte den Vorfall auch deshalb nicht überbewerten, weil ich in den sechs Jahren, die ich die Großsteingräber der Wildeshauser Geest pflegerisch befahre, noch keine Hakenkreuzschmierereien etc. beobachtet habe.
Was man jedoch häufiger an den Grabanlagen entdecken kann, sind Überbleibsel von Druiden- oder Hexenkultanhängern, und zwar in Form von Opfergaben oder Kerzen- und Blumenkreisen etc.

Die Reinigung des Thölstedter Großsteingrabes war dringend nötig.

 

(Fotos: B. Rothmann)


(* Alle im 19. Jahrhundert vom Herzogtum Oldenburg aufgekauften Großsteingräber sind heute überwiegend noch in Staatsbesitz. Die Forstämter haben die Aufsichtspflicht.)

Sie interessieren sich dafür, wo diese Großsteingräber liegen? Schauen Sie unter www.steinzeugen.de nach.


zuletzt geändert am 20.9.12