Großsteingrab oder kein Großsteingrab, das ist hier die Frage...


Doch kein Großsteingrab in Haschenbrok
Die Steine wurden in der Neuzeit abgelagert

Jeder Archäologe, ob Profi oder Amateur, träumt in der Wildeshauser Geest vermutlich davon, ein noch unbekanntes Großsteingrab zu entdecken.

Aber nachdem bereits seit 1819 alle vorhandenen und zerstörten Großsteingräber im Herzogtum Oldenburg unter Denkmalschutz gestellt und von den damaligen Ämtern dokumentiert worden waren, und seitdem zahlreiche Forscher unsere Gegend systematisch durchstreift haben, ist die Chance für einen solchen Fund äußerst gering - und unmittelbar neben einer alten Landstrasse gut sichtbar ganz unmöglich.
Manchmal werden auf Ackerflächen sog. versenkte Großsteingräber gefunden, weil deren Steinkolosse vor mehreren hundert Jahren von den damaligen Bauern in ausgehobenen Gruben an Ort und Stelle im Acker versenkt wurden, damit sie beim Pflügen nicht störten. Bei Tiefbauarbeiten für Baugebiete oder beim Pflügen mit heutigen, tiefgehenden Pflügen kommen diese Steine zur Freude der Archäologen heute wieder zum Vorschein, wie zuletzt im Raum Cloppenburg und bei Visbek.
Aber über der Erdoberfläche sind derartige neue Funde kaum zu erwarten.

Und so hat sich leider auch die Fundmeldung, über die die NWZ am 9.8.2012 und die Wildeshauser Zeitung am 7.8.2012 berichteten, als Fehlinterpretation herausgestellt.

Der Großenkneter Heimatforscher Dirk Faß war auf zwei Steinreihen aufmerksam geworden, die direkt westlich der Landesstrasse 870 bei Haschenbrok liegen. Er hatte seinen Fund dem Niedersächsichen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) in Oldenburg gemeldet. Die Bezirksarchäologin, Frau Fries, bat mich, dort einmal nachzuschauen.
Mir waren diese Steine wohlbekannt; ich hatte schon 2008 schon auf meiner Ahlhorn-Homepage vermutet, dass es sich um die Fundamentreste eines ehemaligen Schafkobens handeln könnte. Dies teilte ich dem NLD mit, woraufhin mit Herrn Faß ohne großen Zeitdruck ein Ortstermin für den 14.8. vereinbart wurde.

In der Zwischenzeit war der Fund jedoch unabhängig davon von einer HuntloserArchäologin voreilig als Großsteingrab identifiziert worden, und es erfolgte die besagte Pressemeldung.

5 Tage später, am 14.8.12, wurde die Fundstelle von den zuständigen Archäologen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Oldenburg untersucht, wobei auch der ehemalige Bezirksarchäologe und anerkannte Spezialist für Großsteingräber, Dr. J. Eckert, Herr Faß und ich selbst anwesend waren.

Wenige Schaufelstiche genügten, um nachzuweisen, dass die Findlinge in jüngerer Zeit dort abgelegt worden waren, denn sie liegen auf dem Humusboden der Berme auf.
Würde es sich um ein Großsteingrab in Originallage handeln, so wären die Steine in den eiszeitlichen Sandboden der Geest sorgfältig eingetieft worden, um dem Großsteingrab Stabilität zu verleihen. Auch ein weiteres, wesentliches Indiz für ein Großsteingrab fehlt; der typische Erdhügel.

Als diese Gräber in der Jungsteinzeit errichtet wurden, wurden sie abschließend stets mit einem Erdhügel bedeckt. Im Laufe der Jahrtausende wurden diese Hügel von Wind und Wetter abgetragen, und die Steine freigelegt. Der auseinandergeflossene Hügel ist aber bei den meisten Großsteingräbern noch in Resten erkennbar.
An der besagten Fundstelle ist jedoch kein derartiger Resthügel zu erkennen.
Im Zeitungsartikel wird vielmehr ausgesagt, dass der Hügel abgetragen, und zu beiden Seiten der Steine angehäuft worden sei. Diese Aussage ist schlicht falsch, denn rechts und links verlaufen zwei langgestreckte Erdwälle, die eine lange Strecke parallel zur Straße verlaufen und den Fundort wie einen ehemaligen Hohlweg erscheinen lassen, auf dessen Wällen man die Steine abgelagert hat.

Es ist möglich, dass sie von einem Schafkstallfundament stammen, das früher etwas weiter westlich gestanden hat, und dem modernen Ackerbau weichen musste.

Alle Megalithfans im Oldenburger Land und darüber hinaus hätten gewiss gejubelt, wenn zwischen Sage und Hengstlage ein weiteres Großsteingrab gefunden worden wäre. Aber leider ist es keines.


Die Untersuchung zeigte: Die Steine liegen locker auf dem Waldhumus auf.

Presseartikel in der NWZ
Presseartikel in der Wildeshauser Zeitung


Copyright: B. Rothmann V 2, zuletzt geändert am  15.8.12