Grabung beim Grauen Immenthun, Wildeshausen - ehrenamtliche Mitarbeit


Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) führt vom Oktober bis Dezember 2011 Grabungen im Erweiterungsbereich des Neubaugebietes "am grauen Immenthun" in Wildeshausen durch. Da man dort durchaus mit archäologischen Befunden rechnen musste, hat das NLD im Vorfeld eine sog. Baggerschnittprospektion durchgeführt. Dazu wurden im Juli mit einem Bagger streifenweise in bestimmten Abständen der Mutterboden abgehoben, um zu sehen, ob es auf der vorgeschichtlichen Erdoberfläche unter dieser Kulturschicht typische Befunde zu sehen waren, die sich normalerweise an regelmäßigen Verfärbungen erkennen lassen. Die Prospektion war positiv, und es wurde ein ausführliche Untersuchung des Geländes angeordnet.
Deshalb musste der Mutterboden großflächig auf mehreren Hektar mittels Bagger abgetragen werden. Die Archäologen bewerten die dabei zum Vorschein kommenden menschengemachten Bodenverfärbungen, vermessen und fotografieren, machen Schnitte und bergen soviel Fundmaterial (z.B. Keramik), wie möglich ist.
Denn wenn im Frühjahr mit der Erschließung der Grundstücke und dem Ausheben der Baugruben begonnen wird, werden diese jahrtausendalten Zeugnisse unserer Vorfahren unwiederbringlich zerstört.


Bodenverfärbungen markieren Feuerstellen, Pfostenlöcher, Abfallgruben etc. Jede weiße Marke ist ein Befund.

Ich habe im November an fünf Tagen mitgegraben, um krankheitsbedingte Ausfälle im Grabungsteam zu ersetzen. Da der Boden größtenteils aus anstehendem Lehmboden besteht, war die dortige Grabung ein hartes Geschäft. Von 8 bis 17:00 Uhr wurde gegraben, und das war meist nur unter großer Anstrengung möglich. Dazu wehte ständig ein kalter Wind.
Aber einige Fundstellen hatten es in sich, und wenn die Auswertungen der 220 Befunde mit fast 1900 Funden (Keramikscherben und Metallfunde) durchgeführt sind, lassen sich bestimmt interessante Aussagen über den Südwesten Wildeshausens vor einigen tausend Jahren machen. Es handelt sich vermutlich um eine Siedlung aus der frühen Eisenzeit, d.h. aus den Jahren zwischen 200 und 600 v. Chr., d.h. aus der Zeit, als auch im Pestruper Gräberfeld Bestattungen stattfanden. Außerdem wurden frühmittelalterliche Grubenhäuser (7. bis frühes 9. Jahrh. n. Chr.)  ausgegraben. Besonders interessant war ein 12 x 2,10 m großer Hausgrundriss, und einige Schlackefunde, die daruf hinweisen, dass in der Siedlung Eisen verhüttet wurde.  

Einen  umfassenderen Bericht zu den Grabungsergebnissen haben J.E. Fries, A. Knipper und M. Mädele in den den Berichten zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Heft 1/2013, S. 23-24 unter dem Titel "Die Dokumentation einer eisenzeitlichen und mittelalterlichen Siedlung in Wildeshausen" veröffentlicht.


Der Bagger trägt in tagelanger Arbeit den Mutterboden ab und schichtet
ihn in hohen Wällen auf, damit er später wieder genutzt werden kann.


Vermessung (oben) und Anweisung an den Baggerführer, der oft Millimeterarbeit zu leisten hat. Der Archäologe ganz rechts untersucht eine Bodenverfärbung mit einem Metallsuchgerät.


Die Gruben an den Fundstellen müssen von Hand ausgehoben werden, damit nichts beschädigt wird.
 


Jede Fundstelle wird vermessen, fotografiert und beschrieben, denn die Dokumentation ist alles, was in ein paar Monaten von diesem vorgeschichtlichen Platz übrig sein wird.


An diesem Platz hat einmal ein sog. Grubenhaus gestanden.
Vorn links erkennt man ein Pfostenloch, in der Mitte die ehemalige Feuerstelle.


Relativ große Scherben eines zerdrückten Gefäßes wurden hier freigelegt. 
 

Fotos und Text: Bernd Rothmann

--> Artikel in der Nordwest-Zeitung, Oldenburg, vom 22.10.11


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am  25.3.2013