Grabung an einem neolithischen Erdwerk bei Holzhausen (Wildeshausen)
- ehrenamtliche Mitarbeit


Auf der Suche nach dem Erdwerk...

Basierend auf zahlreichen Oberflächenfunden aus dem Neolithikum war ein Acker bei Holzhausen, westlich von Wildeshausen, für eine Prospektion ausgewählt worden bei der im Rahmen des Forschungsprogrammes zu Siedlungen und Landnutzung der Trichterbecherkultur nach neolithischen Siedlungen gesucht werden sollte. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.monument.ufg.uni-kiel.de/projekte/trichterbecher-nw-deutschland/.

Im Januar 2011 waren dort mittels geomagnetischer Messungen durch das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) große Ringstrukturen gefunden worden, die als ein ca. 250 m durchmessendes, neolithisches Erdwerk gedeutet wurden. Bei Bestätigung dieser Vermutung wäre das schon eine kleine archäologische Sensation, denn der Fund wäre des westlichste neolithische Erdwerk in Deutschland. Vom 21.-31.03.2011 hatte es eine erste Grabung gegeben, um den Befundcharakter zu klären und ggf. datierbares Material zu gewinnen. --> siehe Artikel in der NWZ von 2011.
Offenbar war die Ausbeute nicht groß bzw. eindeutig genug, so dass im März 2012 erneut eine Grabung angesetzt wurde, zu der ich eingeladen wurde, mitzuhelfen.
Und obwohl die Verfärbungen in den Schnitten nur sehr schwach zu erkennen waren, sind die Experten des NIhK sicher, dass dort im Neolithikum ein größeres Erdwerk angelegt worden war. Auf den Aufzeichnungen der geomagnetischen Messungen sind auf den vermessenen Ackerbereichen  eindeutig gebogene Strukturen erkennen, die nach Erstellung der Schnitte als ein großer Kreisgraben mit ca. 250 m Durchmesser und einer Art Voranlage gedeutet werden können. Es wären die westlichsten neolithischen Erdwerke, die bisher in Norddeutschland gefunden wurden. Die erhofften Siedlungsspuren, d.h. Pfostengruben von Häusern etc. konnten jedoch weder bei der ersten, noch bei der zweiten Grabung entdeckt werden.

Zwei Grabungstechniker, zwei versierte Archäologiestudenten, ein Praktikant und zwei ehrenamtliche Hilfskräfte schaufelten, siebten und kratzten ca. 2 Wochen lang unter der Grabungsleitung von Moritz Mennenga vom NIhK. Glücklicherweise war das Wetter überwiegend trocken und nicht zu kalt. Es wurden zahlreiche Keramikscherben und Feuersteinabschläge gefunden, die aber erst noch im NIhK genau datiert werden müssen.

Im November 2012 erhielt ich dann die deprimierende Information: Es ist definitiv kein neolithisches Erdwerk. Geologische Untersuchungen haben inzwischen ergeben, dass es es sich um eine natürliche eiszeitliche Besonderheit (Gelifluktionslobe) handelt, die in Holzhausen genau kreisrund ist und 250 m durchmisst. Also kein Menschenwerk!
Die gefundenen Scherben stammen aus der Eisenzeit; wer weiß, wie sie dort in den Boden gelangt sind.


Geomagnetische Messung im Januar 2011 (oben) und das Ergebnis in der Abbildung rechts:
Als rote, offene Rechtecke sind die Grabungsschnitte von 2011, ausgefüllt die von 2012 dargestellt. In der linken Bildhälfte kann man gut die kreisbogenförmige Wall-Grabenanlage erkennen. Ein vorgelagertes Erdwerk mit einer Torkonstruktion wurde im Bild rechts vermutet.
Die rautenförmigen Erscheinungen in der oberen Bildhälfte werden als "celtic fields" aus der Bronze- oder Eisenzeit gedeutet, und dürften jünger als das Erdwerk sein, da sie teilweise darüber hinweg verlaufen.

Grabungsimpressionen bei Sonnenschein (oben) und bei Nieselregen (unten)
Tieferlegen eines Schnittes mit dem Bagger (unten)


Sauberkratzen eines Planums


ein Schnitt durch den Graben des Erdwerkes


Der Autor am Nivelliergerät


Fotografieren eines Planums von der Leiter


wer fleißig siebt...


... findet auch mal eine Scherbe


Dokumentation ist das A&O der Ausgrabung


Messung mit dem Suszeptibilitäts-Messgerät

Text: Bernd Rothmann, Fotos: B. Rothmann, M. Rosenbohm-Plate (MRP)

--> Artikel in der Nordwest-Zeitung, Oldenburg, vom 17.3.12


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am  18.11.12