Archäologie
im Landkreis Oldenburg

 

AKAWE
Arbeitskreis Archäologie  
in Weser-Ems

Scherben, Großsteingräber und Pingo-Ruinen

Zweiter deutsch-niederländischer Austausch für Ehrenamtliche im Rahmen des Projektes "Auf der Suche nach der Trichterbecherkultur".

Nachdem das erste deutsch-niederländische Treffen der Ehrenamtlichen am 17.10.11 an der Glaner Braut und in Dötlingen von allen Teilnehmern als großer Erfolg gewertet worden war, sollte das zweite Treffen in der Provinz Groningen stattfinden.

Also machten sich diesmal von deutscher Seite am 21.11.2012 elf Archäologen, Ehrenamtliche und Studenten unter Leitung der Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries per Bus auf den Weg von Oldenburg nach Groningen, wo sie sich im Groninger Institut voor Archeologie (GIA) mit ca. 20 niederländischen Teilnehmern trafen.
Nach einem Begrüßungskaffee und Groninger Koek (Ontbijtkoek) wurden zwei Gruppen eingeteilt, die abwechselnd die zwei angebotenen Vorträge besuchten:

Herr Jan Nanning Lanting, ein niederländischer Trichterbecherexperte, bot in seinem Vortrag erstklassige Informationen zu Funden und Keramik aus der Trichterbecherkultur. Da der Vortrag im Labor, inmitten unzähliger Scherben aus dem norddeutschen Megalithgrab Ostenwalde 1, gehalten wurde, kam eine ganz besondere Atmosphäre auf. Die anerkannte europäische Fachkapazität für die Trichterbecherkultur, Anna Brindley, war ebenfalls anwesend und präsentierte weitere, ausführliche Erläuterungen. Nach ihrer Theorie sind die großen Mengen Keramik, die in einigen Gräbern gefunden wurden – es waren bis zu mehreren Tonnen! – von den Festmalzeiten, die anlässlich der Bestattungen abgehalten wurden. Dieses Kultgeschirr verblieb anschließend mit dem Leichnam in der Grabkammer. Reine Grabbeigaben für die einzelnen Toten würden niemals die z.T. gefundenen Keramikmengen erklären.
Das Großsteingrab Ostenwalde 1 war 1971 ausgegraben und versetzt worden, weil es einer neuen Straßenkreuzung weichen musste. Dabei waren u.a. 250 kg Keramikmaterial geborgen worden, das z.T. jetzt erst in Groningen ausgewertet wird.

Prof. Dr. Henny Groenendijk, Provinzialarchäologe der Provinz Groningen, hielt einen Vortrag über die geologischen und archäologischen Besonderheiten der Provinz, wobei auch die für den Nachmittag geplante Exkursion vorbereitet wurde.
Groningen liegt am Nordende des sog. Hondsrug, einem bis zu 32 m hohen Geestrücken, der sich bis in die Provinz Drenthe erstreckt. Da dieser Rücken auch in der Jungsteinzeit trockene Lebensbedingungen bot, wurden entlang des Hondsrug die meisten niederländischen Megalithgräber erbaut.
Eine weitere Besonderheit dieser Gegend sind die sog. Pingo-Ruinen**. Pingos sind Hügel, die in der Eiszeit über einem Eiskern gewachsen sind. Wenn dieser Kern schmilzt, entsteht eine runde Senke in der Landschaft, die von einem kleinen Wall umgeben und mit Wasser gefüllt ist, die sog. Pingo-Ruine.

Mittags gab es einen Imbiss in einem Gästeraum der Universitätsmensa, bei dem ein intensiver Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern des Treffens stattfand.

Im Verlauf der Exkursion wurden nachmittags die Großsteingräber G1, D3 und D4, eine Pingo-Ruine und das Zuidlaardermeer besucht. Letzteres ist erst in den vorigen Jahrhunderten aufgestaut worden. Vor einigen Jahren wurden dort archäologische Unterwassergrabungen durchgeführt, bei denen u.a. eine antike Furt aus der Zeit vor dem Aufstauen nachgewiesen werden konnte.

Am späten Nachmittag machten sich den deutschen Gäste wieder auf den Weg nach Oldenburg. Alle Teilnehmer aus beiden Nationen waren sich einig: 2013 muss ein drittes Treffen stattfinden.


Vortrag über Trichterbecherkeramik


Herr Lanting, Frau Brindley und Prof. Groenendijk


Tricherbecher-Keramik mit Tiefstichverzierungen


am Megalithgrab G1


am Megalithgrab D3 bei Midlaren

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* Am 17.10.11 wurde die eisenzeitliche Urne einer Nachbestattung im Großsteingrab "Glaner Braut" 2 geborgen. --> Artikel dazu

** mehr zu Pingos siehe http://www.pingos.kge-mediaworld.de/

Bernd Rothmann, 26197 Ahlhorn - zuletzt geändert am 6.12.12

www.archaeologie-ol.de